SCHIMMELPILZSCHÄDEN

HAUSBAU | Schimmelpilzschäden: Schadenbilder – Ursachen – Folgen

 
 

 

 

HAUSBAU | STUDIEN UND ANALYSEN 

 

 

Kurzstudie

 

SCHIMMELPILZSCHÄDEN 

Schadenbilder – Ursachen – Folgen 

 

Gemeinsames Projekt vom Institut für Bauforschung e.V. und dem Bauherren-Schutzbund e.V. 

 


Auftraggeber:  

Bauherren-Schutzbund e.V. (BSB) Kleine Alexanderstr. 9/10 10178 Berlin

  

Bearbeitung:  

Institut für Bauforschung e.V. An der Markuskirche 1, 30163 Hannover Dipl.-Ing. Heike Böhmer, Institutsleitung Dipl.-Ing. Janet Simon, wiss. Mitarbeiterin  


Abschlussbericht :  30.10.2015 IFB-15555 / 2015  


Inhaltsverzeichnis: 

1. Hintergrund, Aufgabenstellung und Ziele 

2. Schimmelpilze in Innenräumen 

3 Feuchtigkeit in Gebäuden 

3.1 Durchfeuchtung durch aufsteigende oder eindringende Feuchtigkeit von außen 
3.2 Durchfeuchtung durch eindringende Feuchtigkeit von innen (Havarie) 
3.2 Feuchteschäden durch Tauwasserausfall 

4. Risiken und Einflussfaktoren für Schimmelpilzbefall  

4.1 Einflussfaktor Wärmedämmung 
4.2 Einflussfaktor Luftdichtheit 
4.3 Einflussfaktor Heizen 
4.4 Einflussfaktor Lüften 

5. Beispielhafte Schadenfälle 

5.1 Schimmelpilzschaden aufgrund mangelhafter Abdichtung 
5.2 Schimmelpilzschaden aufgrund einer Havarie 
5.3 Schimmelpilzschaden aufgrund von Wärmebrücken 
5.4 Schimmelpilzschaden aufgrund von Luftundichtheiten 
5.5 Schimmelpilzschaden aufgrund unanpassten Nutzerverhaltens 

6. Handlungsempfehlungen 

 

 

1. Hintergrund, Aufgabenstellung und Ziele 


Schimmelpilze sind, wie zahlreiche andere Mikroorganismen, ein natürlicher Bestandteil unse­rer Umwelt. Allerdings besteht die Möglichkeit, dass ihre Anwesenheit in bestimmten Situatio­nen, insbesondere in Innenräumen, zu hygienischen, gesundheitlichen oder bautechnischen Beeinträchtigungen führt. Dies kann der Fall sein, wenn die Rahmenbedingungen (z.B. eine dauerhaft vorhandene Bauteilfeuchte in einem bewohnten Innenraum) eine Vermehrung von Schimmelpilzen über das übliche Maß hinaus ermöglicht. Ob und in welchem Maße dann von einer Beeinträchtigung gesprochen werden kann, hängt z.B. vom Gesundheitszustand der Be­wohner und von der Beschaffenheit der jeweiligen Bauteile ab. Entsprechende Analysen, Be­wertungen und Entscheidungen haben dabei Experten zu treffen, die diese Aufgabe aus bau­sachverständiger Sicht, aus der Sicht des Sanierungsplaners / Sanierers, aus mikrobiologi­scher Sicht und (sofern erforderlich) aus medizinischer und rechtlicher Sicht erfüllen. Wer in welchem Umfang und mit welcher Leistung einzubinden ist und welche Maßnahmen kurz-, mit-tel-und langfristig erforderlich sind, hängt vom jeweiligen Einzelfall ab. In der Regel und immer häufiger handelt es sich dabei um eine interdisziplinäre Zusammenarbeit der Experten. 

Die Problematik der Schimmelpilzschäden in Wohngebäuden beschäftigt seit vielen Jahren Bauherren, Mieter und Experten. Umfragen unter Immobilienbesitzern und Mietern in Deutsch­land sagen aus, dass in ca. 17 % der Wohnungen Schimmelpilzbefall vorhanden ist. Angewen­det auf den Wohnungsbestand von ca. 40 Mio. Wohnungen beträfe dies in Deutschland fast 7 Mio. Wohnungen und verdeutlicht die Brisanz der Problematik. Auch die Anzahl der Gutachten und Gerichtsurteile, die sich mit der Thematik befassen, wächst kontinuierlich und umfasst mitt­lerweile mehr als 10% aller Bauschadenfälle und eine Schadensumme von ca. 4 Mrd. €/Jahr. Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund sind Bewohner zunehmend sensibilisiert, problemorientiert und interessiert. Interesse besteht vor allem an 

 

  • der Vermeidung von Schimmelpilzbefall, 
  • der Ermittlung der Ursachen, Verantwortlichkeiten und notwendigen Maßnahmen bei ei­nem Schimmelpilzbefall und 
  • der Erfolgskontrolle nach der Beseitigung eines Schimmelplzbefalls

 

Vor diesem Hintergrund widmeten sich das Institut für Bauforschung e.V. und der Bauherren-Schutzbund e.V. der Problematik im Rahmen der vorliegenden Kurzstudie. Zielsetzung ist eine kompakte Information über die Grundlagen des Schimmelpilzbefalls, seiner Ursachen und Fol­gen anhand beispielhafter Schadenfälle. Der Auftrag zur Bearbeitung hierzu wurde dem Institut im Januar 2015 erteilt. 

Grundlage der Kurzstudie sind umfangreiche Recherchen zum aktuellen Stand der Theorie und Praxis. Der Schwerpunkt wurde auf die technischen Grundlagen gelegt. Die dargestellten Fall­beispiele entstammen der eigenen Sachverständigentätigkeit bzw. einer Umfrage im Sachver­ständigennetzwerk des Instituts und repräsentieren beispielhafte Schadenfälle. 

 

 

2. Schimmelpilze in Innenräumen 

 

Schimmelpilze gehören als Pilze gemeinsam mit Bakterien und Algen zu den Mikroorganismen. Sie ernähren sich heterotroph, d.h. durch den Abbau organischer Substanzen (z.B. Kohlenhy­drate, Fette). Von den geschätzten 1,5 Mio. Schimmelpilzarten sind bislang etwa 130.000 ver­schiedene Arten näher bestimmt. Zu den wichtigsten, auch in Innenräumen und verschiedenen Materialien (z.B. Tapeten, Gipskarton, Putz) vorkommenden Arten zählen z.B. Gattungen von Penicillium, Aspergillus und Cladosporium. 
Wesentliche Bestandteile eines Schimmelpilzes sind das Myzel, die Sporen und der Fruchtkör­per. Unter dem Mikroskop ist erkennbar, dass der Schimmelpilz von feinen Fäden gebildet wird, die das so genannte Myzel bilden. Dieses stellt den eigentlichen Schimmelpilz dar und kann verschiedenfarbig (z.B. weiß, grün, grau) aussehen. 

Die Vermehrung erfolgt i.d.R. über Sporen. Diese werden, von Sporenträgern abgegeben, auf Staubteilchen transportiert und sind in einer bestimmten Konzentration praktisch überall in der Außenluft vorhanden. Entsprechend dem Vorkommen der Schimmelpilze kommen sie auch in der Innenraumluft vor. Ein Risiko entsteht dort, wo die in der Raumluft vorkommenden Schim­melpilzsporen (dauerhaft) günstige Wachstumsbedingungen vorfinden, so dass sie sich ansie­deln und wachsen können. So genannte Schimmelpilzexpositionen in Innenräumen können bei Bewohnern z.B. zu Befindlichkeitsstörungen, allergischen Reaktionen und Infektionen Wirkun­gen führen. Ein eindeutiger Kausalzusammenhang lässt sich i.d.R. jedoch nicht nachweisen. Insofern ist die Bewertung eines medizinischen Risikos abhängig von der individuellen gesund­heitlichen Anfälligkeit (Disposition) der Bewohner und nur durch einen Arzt möglich. 

Für ihr Wachstum benötigen Schimmelpilze vor allem Nährstoffe und Feuchtigkeit. Die Tempe­ratur und der pH-Wert spielen eine eher untergeordnete Rolle, da Schimmelpilze in einem wei­ten Temperatur-und pH-Bereich wachsen können. Die optimale Wachstumstemperatur liegt im Bereich von 25 bis 35°C, also Temperaturen, die in Wohnräumen üblicherweise anzutreffen sind. Materialien, wie Holz, Tapete oder Gipskarton bilden mit ihren organischen Bestandteilen einen idealen Nährboden. Ist darüber hinaus ausreichend Feuchtigkeit vorhanden, bieten sich ideale Voraussetzungen für Schimmelpilzwachstum. Die erforderliche Feuchte muss über einen ausreichend langen Zeitraum vorhanden sein. Je nach Vorhandensein der Wachstumsbedingungen läuft das Wachstum langsamer oder schneller ab. 

Da sich die Feuchtegehalte (z.B. Luft-und Materialfeuchte) abhängig von der Temperatur ver­ändern, können Temperatur und Feuchtigkeit als Wachstumsvoraussetzungen für Schimmelpil­ze nicht getrennt betrachtet werden. Feuchtegehalte, die nur geringfügig über der Ausgleichs-feuchte von Baustoffen liegen bzw. nur kurzzeitig erhöht sind, führen dagegen i.d.R. nicht zu ei­nem Schimmelpilzbefall. Schimmelpilzbefall in Innenräumen ist somit ein Indiz für zeitweises oder permanentes Vorhandensein von Feuchtigkeit in den Bauteilen oder auf deren Oberflä­chen. Insofern können Entstehung und Wachstum eines Schimmelpilzbefalls als Feuchteindika­tor einer mangelhaften baulichen oder nutzungsbedingten Situation gewertet werden. 

 

 

3. Feuchtigkeit in Gebäuden 

 

Wesentlich für das Schimmelpilzwachstum ist das frei verfügbare Wasser, das als vorhandenes (flüssiges) Wasser oder als hohe (Luft-)Feuchte mit mehr als 80% relativer Feuchte über der Bauteiloberfläche zur Verfügung stehen muss. Die für das Schimmelpilzwachstum erforderliche Feuchtigkeit kann dabei auf unterschiedlichen Wegen auf die Oberfläche bzw. in die Konstrukti­on gelangen; die erkennbaren Schadenbilder können dagegen sehr ähnlich sein. Grundsätzlich unterscheidet man vor dem Hintergrund der Herkunft der Feuchtigkeit (Bauteil-)Durchfeuchtun­gen und Feuchteschäden durch Tauwasserausfall. 

Durchfeuchtungen von Baustoffen oder Bauteilen entstehen durch eindringende Feuchtigkeit von außen oder innen. Sie sind i.d.R. eine Folge baulicher Mängel. Wie viel Feuchtigkeit dabei vom Bauteil aufgenommen wird, hängt vor allem von der Materialbeschaffenheit (z. B. vom Po­rengehalt des Materials), der Feuchtigkeitsmenge und der Einwirkungsdauer ab. 

 

3.1 Durchfeuchtung durch aufsteigende oder eindringende Feuchtigkeit von außen (z.B. durch Abdichtungsmängel, Fehlstellen in der Außenbekleidung, Undichtheiten) 

Der Feuchtegehalt in den betroffenen Bauteilen wird dabei von verschiedenen Parametern be­einflusst, wie z.B. der Art der Abdichtungsmängel, dem Material der Bauteile, der Art des anste­henden Wassers, der Anwesenheit von bauschädlichen Salzen. Zudem ist eine sekundäre (nachrangige) Bauteildurchfeuchtung durch die Reduzierung der Wärmedämmwirkung und die Erhöhung der Raumluftfeuchte mit nachfolgendem Tauwasserausfall auf der raumseitigen Bau­teiloberfläche oder im Bauteilinneren möglich. 

 

3.2 Durchfeuchtung durch eindringende Feuchtigkeit von innen 
(z.B. durch Leitungswasserschäden oder andere Havarien im Gebäude) 

Der Feuchtegehalt in Bauteilen wird bei Havarien (z.B. Leitungswasserschäden, Gerätedefek­ten) von verschiedenen Parametern beeinflusst, wie z.B. der Art und Dauer der Havarie, dem Material der betroffenen Bauteile sowie dem Zeitraum zwischen Schadenzeitpunkt und -fest­stellung. Eine sekundäre (nachrangige) Bauteildurchfeuchtung durch die Reduzierung der Wär­medämmwirkung und Erhöhung der Raumluftfeuchte mit nachfolgendem Tauwasserausfall auf der raumseitigen Bauteiloberfläche oder im Bauteilinneren ist möglich. 

 

3.3 Feuchteschäden durch Tauwasserausfall 
(z.B. durch bauliche und / oder nutzungsbedingte Mängel) 

Tau-oder Kondenswasser bildet sich im allgemeinen dann, wenn eine sich aus dem Verhältnis von Lufttemperatur und relativer Luftfeuchte ergebende Taupunkttemperatur unterschritten ist. Die Ursache für den Ausfall von Tauwasser ist in Innenräumen insofern i.d.R. eine hohe relative Luftfeuchte in Kombination mit niedrigen Raumluft-bzw. Oberflächentemperaturen. Diese Para­meter werden von der Raumnutzung und der Beschaffenheit der Außenbauteile der Gebäu­dehülle (z.B. Außenwände) beeinflusst. Dabei spielen z.B. das Heizungs-und Lüftungsverhal­ten der Bewohner, vorhandene (punktuelle) Wärmebrücken, Undichtheiten in der luftdichten Ebene oder eine zu geringe Wärmedämmung der Außenbauteile eine Rolle. 

Bei allen Feuchteschäden an oder in der Baukonstruktion (mit oder ohne Schimmelpilzbefall) ist es erforderlich, die genaue Ursache, Herkunft bzw. Menge der Feuchtigkeit festzustellen und damit die Grundlage einer fach-und sachgerechten Ursachenbeseitigung, Trocknung und Sa­nierung zu schaffen. Dabei ist in jedem Fall zwischen Bauteildurchfeuchtungen und Schäden durch Tauwasserausfall zu unterscheiden. 

Für die Auswahl geeigneter Untersuchungs-, Trocknungs-und Sanierungsmethoden sind des­halb die Analyse des Schadensbildes bei einer ersten Begutachtung vor Ort sowie Kenntnisse über die Schadenentwicklung, den Aufbau und genauen Zustand der betreffenden Bauteile er­forderlich. Entsprechende Untersuchungen und Messungen zum Feuchtegehalt, z.B. durch gra­vimetrische Untersuchungen (Darrmethode) oder mittels Widerstandsmessung können hilfreich sein, sind jedoch vor dem Hintergrund Ihrer technischen Möglichkeiten zielführend einzusetzen. 

 

 

4. Risiken und Einflussfaktoren für Schimmelpilzbefall 


Die Risikofaktoren für Schimmelpilzwachstum lassen sich in bauliche (gebäudebedingte) und nutzungsbedingte (nutzerabhängige) Faktoren unterteilen. Zu den wesentlichen Risikofaktoren zählen z.B.: 

 

 

  • unzureichende Wärmedämmung (baulich bedingt) 
  • vorhandene Wärmebrücken (baulich bedingt) 
  • Feuchtigkeit in der Baukonstruktion (baulich bedingt) 
  • Luftundichtheiten in der Gebäudehülle (baulich bedingt) 
  • unzureichende oder unsachgemäße Beheizung (baulich oder nutzungsbedingt) 
  • erhöhte (Luft-)Feuchteproduktion im Innenraum (baulich oder nutzungsbedingt) 
  • unzureichende oder unsachgemäße Lüftung (baulich oder nutzungsbedingt) 
  • veränderte, unangepasste Nutzung (nutzungsbedingt) 
  • unangepasste Möblierung (nutzungsbedingt). 

 

Die genannten Risikofaktoren können sich auch überlagern, einander bedingen bzw. voneinan­der abhängen. Ebenso gilt dies für die Bewertung, ob es sich um bauliche oder nutzungsbe­dingte Einflussfaktoren handelt. Es ist der jeweilige Einzelfall mit seinen Randbedingungen zu betrachten. Insbesondere im Zusammenhang mit dem steigenden Energie-, Kosten-und Um­weltbewusstsein der Verbraucher, der Entwicklung der (energetischen) Anforderungen an Ge­bäude und den zugehörigen technischen Maßnahmen in Neu-und Altbau spielen die Einfluss­faktoren eine zunehmende Rolle. 


4.1 Einflussfaktor Wärmedämmung 

Eine Wärmedämmung ist aus bauphysikalischen und konstruktiven Gründen homogen über die gesamte Gebäudehülle auszuführen. Bei vollständig oder teilweise fehlender bzw. ungenügen­der Wärmedämmung im Bereich der Außenbauteile von Gebäuden (z.B. Außenwände, Dach­flächen, Kellerdecken) können die Oberflächentemperaturen in Bereiche absinken, die einen Tauwasserausfall unter bestimmten Randbedingungen zur Folge hat. Dies kann großflächig der Fall sein, wenn ganze Bauteilflächen nicht oder fehlerhaft wärmegedämmt sind, oder in be­grenzten Bereichen, wie z.B. an Bauteilecken, -kanten, -übergängen oder -durchdringungen. Dann handelt es sich um so genannte Wärmebrücken, an denen es in einem begrenzten Be­reich zu einem stärkeren Wärmeabfluss von der warmen Raumseite zur kalten Außenseite kommt. Die Folge ist eine überdurchschnittliche Auskühlung der inneren Oberflächen im Be­reich der Wärmebrücke mit der Folge eines hohen Risikos von Tauwasserausfall und Schim­melpilzbildung. 

Zur Beurteilung, ob und inwieweit eine Situation in diesem Zusammenhang mangelhaft und ggf. schadenursächlich ist, sind die entsprechenden (hygienischen) Mindestanforderungen an den Wärmeschutz der DIN 4108 zu überprüfen. Zusätzlich können Messungen, wie z.B. die Infrarot-Thermografie oder -Oberflächentemperaturmessungen sowie Langzeitmessungen der Raum­luftbedingungen (z.B. mittels Datenloggern) hilfreich sein. Kurzzeitmessungen, z.B. der Raum­luftbedingungen werden zwar verwendet, spiegeln jedoch nur eine Momentaufnahme und eig­nen sich daher weniger zur Ursachenermittlung von Feuchte-und Schimmelpilzschäden. 

 

4.2 Einflussfaktor Luftdichtheit 

Die einschlägigen Normen und Verordnungen, wie z.B. die geltende Energieeinsparverordnung (EnEV), fordern für beheizte Gebäude die Planung und Ausführung einer dauerhaft luftdichten Gebäudehülle. Diese ist neben der fachgerechten Wärmedämmung die wesentliche Randbe­dingung für eine dauerhaft schadenfreie und energieeffiziente Funktion des Gebäudes. Der notwendige Luftwechsel ist über eine fachgerechte Lüftung sicherzustellen. Fugen und Undicht­heiten sind dafür nicht geeignet. Insofern ist zur Vermeidung des ungeplanten Eindringens feucht-warmer Innenraumluft in die Bauteile (z.B. Außenwand, Dach) ein fachgerechtes Luft­dichtheitskonzept zu planen und umzusetzen. Dabei spielen vor allem der Einsatz geeigneter Materialien und die Detailplanung /-umsetzung im Bereich von Bauteilübergängen, -anschlüs­sen und -durchdringungen eine wesentliche Rolle. Eine Überprüfung der Qualität erfolgt i.d.R. mittels Luftdichtheitsmessung (Blower-Door-Messung). 
Fehlstellen, so genannte Leckagen, in der luftdichten Ebene ermöglichen das ungeplante Ein­dringen der Raumluft z.B. in Wärmedämmschichten, konstruktive Bauteilbereiche oder Belüf­tungsebenen. Hier kann ein Tauwasserausfall aufgrund geringer Temperaturen erfolgen, der zu einer Durchfeuchtung der Bauteile, zur Verminderung der Dämmwirkung, und ggf. zu Bauteil­zerstörungen führen kann. 

 

4.3 Einflussfaktor Beheizung 

Die fachgerechte und den Gebäudeanforderungen entsprechende Beheizung ist ein weiterer wesentlicher Faktor, der das Risiko der Schimmelpilzbildung in Innenräumen beeinflusst. Die Beheizung sorgt für die notwendige Temperierung der Raumluft und der raumseitigen Bauteilo­berflächen. Erfolgt dies nicht in geeigneter Weise, kann die Raumluft die während der Nutzung entstehende Luftfeuchte nicht vollständig binden und an den nicht ausreichend temperierten Außenbauteilen als Tauwasser ausfallen. Die so entstehenden Feuchtebedingungen erhöhen das Risiko eines Schimmelpilzbefalls. Abhängig ist die Intensität dieses Prozess vor allem von den Randbedingungen der Baukonstruktion (z. B. dem Wärmedämmvermögen der Außenbauteile) und der Nutzung (z. B. der Produktion von Luftfeuchte). D.h. in hochwärmegedämmten Gebäuden kann z.B. eine temporäre zusätzliche Temperierung der Raumluft durch die rückgewonnene Wärme aus einer Lüftungsanlage ausreichend sein während in einem unsanierten Bestandsgebäude eine risikofreie Nutzung nur bei einer kontinuierlichen Beheizung aller Räume und einem disziplinierten Lüftungsverhalten möglich ist. 

Vor allem in energetisch unsanierten oder teilsanierten Gebäuden ist in diesem Zusammen­hang das Nutzungsverhalten bezüglich der Beheizung wesentlich. Dazu gehört auch ein gewis­ses Maß von Anpassung an die besonderen Gebäudeanforderungen, wie z.B. die Beheizung aller Räume, die konsequente Trennung unterschiedlicher Temperaturbereiche (z.B. geschlos­sene Türen zwischen Wohnen und Schlafen) und eine Möblierung (z.B. mit Mindestwandab­ständen), die die erforderliche Zirkulation der Heizungsluft nicht behindert. 

 

4.4 Einflussfaktor Lüftung 

Gemeinsam mit der Beheizung kommt der Raumlüftung eine wesentliche Rolle im Zusammen­hang mit der Steuerung der Raumluftbedingungen zu. Die i.d.R. feucht-warme Raumluft aus bewohnten Innenräumen muss durch regelmäßige Luftwechsel abgeführt und gegen Frischluft ausgetauscht werden. Dieser für die schadenfreie Nutzbarkeit (und einen hygienischen Wohn­komfort) erforderliche Mindestluftwechsel kann durch entsprechende Stoß-oder Querlüftung über die Fenster (freie Lüftung) und / oder über eine kontrollierte Wohnungslüftung mit einer Lüftungsanlage (ventilatorgestützte Lüftung) erreicht werden. Wichtigste Größe für den notwen­digen Luftwechsel ist die Luftwechselzahl, die die Luftmenge, bezogen auf das Raumvolumen, angibt, die pro Stunde ausgetauscht und somit durch Außenluft ersetzt wird. 

Mit einem Lüftungskonzept gemäß DIN 1946-6 wird ermittelt und bewertet, wie der notwendige Luftwechsel in einem Gebäude erreicht wird und ob ggf. lüftungstechnische Maßnahmen erfor­derlich sind. Es ist für jedes neu zu errichtende Wohngebäude, bei Mehrfamilienhäusern für einzelne Wohneinheiten und für bestehende Wohngebäude im Zuge bestimmter Modernisie­rungsarbeiten (z.B. dem Austausch von Fenstern und der Wärmedämmung von Dachflächen) zu erstellen. Wichtigste (Lüftungs-)Stufe und damit zentrale Anforderung an das Lüftungskon­zept ist die Sicherstellung eine ausreichende Belüftung zum Feuchteschutz und damit zur Ver­meidung von Schimmelpilzbefall. 

 

 

5. Beispielhafte Schadenfälle 

 

Feuchte-und Schimmelpilzschäden in Innenräumen haben unterschiedliche Ursachen. Sie können auf eine mangelhafte Planung, Ausführung oder Nutzung bzw. auf Kombinationen aus diesen Faktoren zurückzuführen sein. Dies betrifft den Neubaubereich und Bestandsgebäude gleichermaßen. 

Die nachfolgenden Schadenfälle von Schimmelpilzbefall zeigen ein Spektrum üblicher Fälle un­terschiedlichen Ausmaßes und mit unterschiedlichen Ursachen. Die Fallbeispiele repräsentie­ren jeweils einen Einzelfall mit spezifischen Randbedingungen, die zu dem jeweiligen Schaden­bild, dem Vorgehen bei der Ursachenermittlung, der Bewertung, der Wahl des Sanierungskon­zepts und den entstandenen Kosten geführt haben. Sie sind nicht zu verallgemeinern, die Ursa­chen und Vorgehensweise nicht übertragbar. 

 

5.1 Schimmelpilzschaden aufgrund mangelhafter Abdichtung 

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5.2 Schimmelpilzschaden aufgrund einer Havarie

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5.3 Schimmelpilzschaden aufgrund von Wärmebrücken

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5.4 Schimmelpilzschaden aufgrund von Luftundichtheiten

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5.5 Schimmelpilzschaden aufgrund unangemessenen Nutzerverhaltens

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6. Handlungsempfehlungen 

 

Für die Vermeidung bzw. die Beseitigung von Schimmelpilzbefall ist die Kenntnis über die (bau-)physikalischen Zusammenhänge von größter Wichtigkeit. Kennt man die grundsätzlichen Randbedingungen und Voraussetzungen, die ein Wachstum ermöglichen (z.B. Feuchte-und Temperaturbedingungen), kann man entsprechend vorbeugen oder in einer Befallssituation ur­sachengerecht handeln (lassen). 

Ein beheiztes Gebäude, das ohne bauliche Mängel dauerhaft funktioniert und entsprechend den Anforderungen beheizt, belüftet und (hygienisch) genutzt wird, ist Grundlage eines gesun­den Wohnens und besitzt ein sehr geringes Schimmelpilz-Risiko, sofern man den Sonderfall ei­ner Havarie ausblendet. Insofern kommt einem angemessenen Nutzerverhalten im Rahmen der Schimmelpilzprophylaxe die Hauptaufgabe zu. Entsprechende Messgeräte zur Eigenüber­wachung, wie z.B. Raumluft-Thermometer und Hygrometer zur Messung der relativen Luft­feuchte, können dabei sehr hilfreich sein. 

Veränderungen an einem Gebäude, die die genannten Randbedingungen berühren, wie z.B. energetische Modernisierungen mit der Wärmedämmung von Außenbauteilen, dem Einbau luft­dichter Fensterelemente oder moderner Heizungsanlagen müssen im Rahmen der Planung be­züglich eines veränderten Schimmelpilzrisikos überprüft werden. Das geschieht i.d.R. Im Rah­men von Wärmeschutz-, Feuchteschutz-und Wärmebrückenberechnungen sowie durch Luft­dichtheits-und Lüftungskonzepte. Es ist möglich, dass nach der Veränderung am Gebäude auch eine Veränderung des Nutzerverhaltens erforderlich wird. 

Im Falle eines Schimmelpilzbefalls in Innenräumen ist der Ablauf der notwendigen Handlungen gemäß dem Schema „Erkennen – Bewerten – Ursache ermitteln – Sanieren“ durchzuführen. In Abhängigkeit von der Größe des Befalls sind entsprechende Sachverständigen und / oder wei­tere Experten einzubinden. Ob es sich bei dem Fall (wie in den meisten Fällen) um ein hygieni­sches Problem handelt oder ob hierdurch gesundheitliche Beeinträchtigungen zu erwarten sind, ist im Bedarfsfall zu prüfen. In jedem Fall sind die Ursache des Schimmelpilzbefalls und der Be­fall selbst fachgerecht zu entfernen. Für eine medizinische Bewertung sollte ein Arzt hinzugezo­gen werden. 

Für die Feststellung der Ursachen und, daraus abgeleitet, die erforderliche Sanierungsplanung und -durchführung, sind entsprechende Sachverständige erforderlich, die je nach Erfordernis interdisziplinär zusammenarbeiten. Dabei können auch bauphysikalische, thermografische, chemische und mikrobiologische Methoden unter Verwendung von professionellen Messgerä­ten zum Einsatz kommen. Dabei gilt der Grundsatz „so viel wie nötig, nicht so viel wie möglich“. Ein wesentlicher Grundsatz im Rahmen der Sanierung ist die fachgerechte und möglichst zeit­nahe Trocknung der betroffenen Bauteile. 

Die Häufigkeit von Feuchte-und Schimmelpilzschäden macht sie attraktiv für diverse Verkaufs­angebote, die sich i.d.R. rund um Materialien, Stoffe und Anlagen ranken. Hier ist vor dem Ge­brauch in jedem Fall unabhängiger Expertenrat gefragt, den man bei den einschlägigen Ver­braucherschutz-, Fach-und Interessenverbänden sowie Kammern und Ämtern erhalten kann. Hilfreich können auch unabhängige Informationen und Richtlinien sein, die von diesen Institutio­nen veröffentlicht werden. 

Beispielhaft genannt seien hier der so genannte Schimmelpilzleitfaden des Umweltbundesam­tes (www.umweltbundesamt.de), die Richtlinie zum sachgerechten Umgang mit Schimmelpilz­schäden in Gebäuden vom Netzwerk Schimmel e.V. (http://www.netzwerk-schimmel.info) oder der Ratgeber zum Richtigen Heizen und Lüften des Bauherren-Schutzbund e.V. (www.bsb-ev). 


Institut für Bauforschung e. V., Hannover, 30.10.2015 

 

(Quelle: Bauherren-Schutzbund e.V.)